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Symbole zeigen vielfältige Stärken in neuer kirchlicher Einheit

Gründungsgottesdienst für evangelische Gesamtkirchengemeinde Lahn-Taunus lässt Aufbruchstimmung erklingen

GKG LT220226 KirchenschiffVH becrima NASSAU/RHEIN-LAHN. (27. Februar 2026) Die evangelische Johanniskirche in Nassau war gerade groß genug, um allen Gästen beim Gründungsgottesdienst für die neue evangelische Gesamtkirchengemeinde Lahn-Taunus einen Sitzplatz zu bieten. Unter Leitung von Kerstin Janott, Dekanin des evangelischen Dekanats Nassauer Land, wurde um Gottes Segen für das hauptamtliche Verkündigungsteam gebeten und für die Arbeit der im Gesamtkirchenvorstand ehrenamtlich engagierten Menschen.

Dessen Mitglieder kommen aus den acht Ortskirchengemeinden, die zwar weiterhin als rechtliche Einheiten erhalten bleiben, deren Verwaltungsaufgaben aber nun das neue Gremium übernimmt. Statt einer Predigt ließ Dekanin Janott Vertreterinnen und Vertreter der ehemaligen Kirchengemeinden, die geografisch zwischen Geisig, Kördorf und Zimmerschied liegen, selbst zu Wort kommen, um ein Symbol für deren Besonderheiten am Altar zu platzieren.

GKG LT220226 Symbole becrimaGKG LT220226 Symbole Klammer becrimaEine Wäscheklammer hatte Wolfgang Obel aus Dachsenhausen mitgebracht; sie stehe mit ihrer Feder in der Mitte für das einst erfolgreiche Zusammenwachsen mit Niederbachheim und die Bereicherung, die das Kennenlernen von Nachbarn gewesen sei. Das Logo der offenen Kirche hielt Heidi Jung in Händen, als sie die Dausenauer Kirche als offenen Ort der Begegnung und Gemeinschaft „mit Gott, mit anderen oder mit sich selbst“ beschrieb. Für die Fusions-erprobte Emmausgemeinde Schweighausen – der Name leitet sich von Jesu Jüngern ab, die zunächst traurig und dann voller Freude und Hoffnung unterwegs waren – hatte Anita Krebs einen Wanderrucksack dabei. Gemeinsam unterwegs sei man schon beim Umbau der Schweighäuser Kirche zum Gemeindehaus gewesen. „Und jetzt machen wir uns wieder auf den Weg.“ Pralinen legte Marco Schrötter vom Ortsausschuss Hömberg-Zimmerschied auf den Altar als Zeichen, dass auch Kleines sehr fein sein kann. „Wir machen möglich, was möglich ist“ wies er darauf hin, dass eine Kirche auch als Corona-Teststationen oder Wahllokal dienen kann.

Einen Weinstock als christliches Zeichen schlechthin hatte Katharina Haxel aus dem Weindorf Obernhof mitgebracht. Eine starke gelebte Gemeinschaft symbolisierte das Bild des Taufbeckens in der Kördorfer Kirche mit Menschen, die sich die Hand reichen, das Tatjana Lapp-Witt dabei hatte. Die Türme der Nassauer Burg zeigte Manuela Kühnau, um auf die Stärken Nassaus hinzuweisen: Gelebte Inklusion, Musik, Kindergottesdienst und Jugendarbeit sowie die Ökumene, die etwa am Waffelstand beim Michelsmarkt zu schmecken ist. Vom Singhofener Windrad berichtete Ute Heckelmann, das einst die Menschen mit frischem Quellwasser versorgte verbunden mit der Hoffnung, dass der Heilige Geist in der großen Gemeinde für genügend Wind sorge, dass gutes Wasser der Lebens fließen könne.

GKG LT220226 Bruchhaeuser Jung01 becrimaGKG LT220226 Lammert00 becrimaSich auf dem gemeinsamen Weg gegenseitig die Geschichten zu erzählen und zu fragen „Wie macht ihr das?“ verbinde, sagte Dekanin Janott. Und es sei in Zeiten mit so harten Positionen total wichtig, im Gespräch zu bleiben und auch zuzuhören. Ein lautstark angestimmter Liedvers „Jeder hat was einzubringen, diese Vielfalt wunderbar“, passte da bestens. Überhaupt zeugte die Musik davon, wie eindrucksvoll die neue Gemeinschaft klingen kann. Neben einem Trio und Sigrun Köpper an der Orgel offenbarte das der große Posaunenchor, der den Gesang begleitete und mitreißend mit seinen Instrumentalsätzen die Feier bereicherte. Chorleiterin Petra Wiegand hatte dafür Blechbläserinnen und –bläser aus der ganzen Region im Altarraum um sich geschart, die dem Gottesdienst musikalischen Glanz verliehen.

Den würdigten auch die politischen Gäste. Der Vizepräsident des Landtags Matthias Lammert (CDU) erinnerte an Transformations-Prozesse nicht nur in der Kirche, die zur Stärkung beitragen sollen. Große Einheiten seien per se nichts Schlechtes; die kleinen sollten dabei nicht vergessen werden. „Sie sind da auf gutem Weg.“, so der Landtagsabgeordnete. Den erfrischenden Gottesdienst nannte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Bad Ems-Nassau Uwe Bruchhäuser (SPD) ein gutes zukunftsweisendes Zeichen für den gemeinsamen GKG LT220226 PoChorVO becrimaGKG LT220226 HVT SegenVH becrimaAufbruch und den Blick nach vorn. Er zog Parallelen zu den VG-Fusionen in der Region vor sieben Jahren und die Bedeutung, die dabei das Ehrenamt spielt. Er sprach gleichzeitig für seine Amtskollegen Lars Denninghoff (VG Aar-Einrich) und Jens Gülleriung (VG Nastätten), die die neue kirchliche Einheit ebenso berührt. Zu ihr gehören 26 Ortsgemeinden. Für diese übermittelte Singhofens Ortsbürgermeister Detlef Paul den Wunsch nach Gottes Segen für den gemeinsamen Weg.

Regionale Verkündigung und Seelsorge

Dem hauptamtlichen Verkündigungsteam, das den Gründungsgottesdienst liturgisch mitgestaltete und sich Seelsorge und Verkündigung in der Gemeinde teilt, gehören die Pfarrerinnen und Pfarrer Antje Dorn, Stefan Fischbach, Harald Peter Fischer, Silke Funk, Mariesophie Magnusson und Astridt Westphal an sowie aus dem gemeindepädagogischen Dienst Andreas Magnusson. Bernd-Christoph Matern

Zu den Fotos:

Der ehrenamtliche Vorstand der Gesamtkirchengemeinde Lahn-Taunus für die Verwaltung sowie das hauptamtliche Verkündigungsteam für Seelsorge und Verkündigung gehen zuversichtlich und unter Gottes Segen in die Zukunft. „Jeder hat was einzubringen“ hieß es in einem Liedvers; das zeigten die Symbole aus den acht ehemaligen Kirchengemeinden, die den Altar schmückten. Voll besetzt war die evangelische Johanniskirche zur Gründungsfeier der neuen evangelischen Einheit. Fotos: Bernd-Christoph Matern