Karfreitag Also hat Gott Dausenau 300326 becrima  

Karfreitag 2026

In der Stille eine Liebe entdecken, die bis zum Äußersten geht

RHEIN-LAHN. (3. April 2026) Die einen posen heute mit ihren rasanten Autos, andere würden lieber tanzen und wieder andere nutzen die bis dato traditionelle Stille des Karsamstags, um schon mal ordentlich Rummel fürs bevorstehende Hasenfest anzubieten. Wenn Menschen zum Tanzen oder Feiern friedlich zusammen kommen, ist das in diesen Zeiten ja sicher kein Fehler. Dass sich Menschen bei allen Hiobsbotschaften, mit denen sie täglich berieselt werden, etwas Freude und Abwechslung gönnen, scheint ebenso verständlich. Warum es ausgerechnet an Tagen laut und wild zugehen muss, die für die christliche Mehrheit im Rhein-Lahn-Kreis mit einem stillen Gedenken verbunden sind, mag da eher zweitrangig sein. Der christliche Hintergrund gerät so freilich mehr und mehr in Vergessenheit. Verwunderlich wäre da nicht, wenn in absehbarer Zeit das einst höchste evangelische Fest auch als staatlich arbeitsfreier Feiertag abgeschafft wird.

Dabei könnte gerade die Stille vor Ostern Zeit geben, sich auf das zu besinnen, was die Welt mehr denn je zu brauchen scheint: Liebe. Vielerorts sind die Altäre an Karfreitag schlicht, wenn in den Gottesdiensten im Rhein-Lahn-Kreis an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz erinnern. Der Karfreitag ist zwar ein Tag der Trauer und offenbart der Christenheit doch zugleich die Hoffnung auf eine Liebe, die bis zum Äußersten geht. „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das Ewige Leben haben.“ Dieser Satz aus Johannes 3, Vers 16 ist eine biblische Kernaussage. Am Karfreitag bekommt sie besonderes Gewicht. Denn damit bleiibt es nicht beim netten Gedanken, sondern wird real: Die Liebe Gottes zeigt sich nicht in Worten, sondern mit dem gekreuzigten Jesus in äußerster Hingabe.

Karfreitag stellt eine Frage an die immer lauter werdende Welt: Was ist wahre Liebe? In einer Gesellschaft, in der das Ich am wichtigsten geworden ist, persönlicher Erfolg, Selbstverwirklichung, Geld, Rechthaberei und jede Menge Spaß, erinnert das Kreuz ans Gegenteil: an Opferbereitschaft, an Vergebung, an Schweigen, die Kraft der Stille und daran, dass wahre Liebe manchmal eben auch bedeutet, für andere Menschen zu leiden.

Beim Gedenken an Jesu Leiden bleibt es nicht, denn die Christenheit weiß um Ostern. So schenkt das Kreuz eine tiefe Hoffnung, dass die Liebe Gottes höher ist als alle menschliche Vernunft, ein Anker in allen Anfechtungen. Nicht die lauten weltlichen Machthaber schenken Freiheit, befreien von Angst und Schrecken, sondern die Gewissheit der Liebe Gottes. Eine Liebe, die bereit ist, zu vergeben, neu anzufangen und keinen Menschen aufzugeben. Sie kommt nicht protzig daher, sondern als ein Opfer. Ihre Stärke ist die Stille. (bcm)

Gottesdienste an den Feiertagen der Karwoche und zu Ostern in den Regionen des Dekanats von Ost nach West finden Sie unter den angegebenen Links:

Diez

Esterau

Untere Aar

Einrich

Blaues Ländchen-Loreley

Lahn-Taunus

Bad Ems

Braubach

Lahnstein

Zum Foto:
Das Foto zeigt den Altarraum der evangelischen St. Kastorkirche in Dausenau. Im Fenster links hinter dem Gekreuzigten hat Erhardt Klonk die Passionsgeschichte, im Fenster rechts die Ostergeschichte dargestellt, in dessen unterem Element Jesus den Tod besiegt. Foto: Matern