
Der Weg nach Emmaus ziert jetzt ehedem weiße Kirchenwände
Vernissage für Werke von Carmen Stahlschmidt füllt neues Gemeindehaus Schweighausen
SCHWEIGHAUSEN/RHEIN-LAHN. (13. Mai 2026) Mit einer kurzweiligen Vernissage wurden jetzt die neuen Werke der Künstlerin Carmen Stahlschmidt aus Oppenheim im Gemeindehaus der evangelischen Emmausgemeinde Schweighausen eingeweiht. Drei großformatige Stoffbilder zur biblischen Emmausgeschichte prägen nun die bislang schlichten weißen Wände der ehemaligen Kirche und verleihen dem Raum eine besondere Atmosphäre.
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren gekommen und füllten unten und auf der Empore das neue Gemeindehaus. Die Stühle waren mit Blick auf die Bilder ausgerichtet, Leporellos mit Beschreibungen der Werke lagen bereit, eine thematisch dekorierte Altargestaltung und die musikalische Begleitung bildeten den passenden Rahmen. Akkordeonmusik von Ursula Herrmann mit „La valse d’Amélie“ eröffnete die Veranstaltung. Auf originelle Weise führte ein kleines Anspiel ins Thema ein: Zwei Wanderinnen betraten mit Rucksack den Raum und entdeckten neugierig die Emmausbilder.
Dabei entstand ein lebendiger Dialog zwischen Pfarrerin Silke Funk und Anita Krebs vom Ortsausschuss, in den auch die Künstlerin eingebunden wurde. Es ging ums Unterwegssein, die Symbolik der Bilder, deren Entstehung und die besondere Wirkung des Stoffmaterials, das sich „geradezu an das alte Kirchengemäuer schmiegt“. Die lebensgroßen Wanderer, Tiere und Naturmotive verbinden den Innenraum mit der Landschaft rund um Schweighausen (das Örtchen selbst findet sich auf einer der drei Stoffbahnen) und greifen die Emmausgeschichte aus dem Lukasevangelium auf. Zwei christliche Tiersymbole hat die Künstlerin in ihren Werken in Bäumen versteckt, die man erst suchen muss: Einen springenden Hasen und einen Fisch. Apropos Fische: die finden sich auch in den von der Künstlerin gestalteten Paramenten.
Im Mittelpunkt steht die biblische Erzählung vom Weg nach Emmaus aus dem Lukasevangelium, weniger historisierend als vielmehr ins heutige Leben geholt sowohl was Natur, Tiere, Insekten, Personen und den schon von Rembrandt dargestellten Essenstisch anbelangt. Passend
mal schwungvoll oder einfühlsam erklang das Akkordeon. So spielte Herrmann auch das „Abendlied“ von Josef Gabriel Rheinberger mit den Worten „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“, denn dieses Lied ging auch Stahlschmidt während ihrer Arbeit immer wieder durch den Kopf. Dr. Markus Zink, Referent für „Kunst und Kirche“ des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), betonte die außergewöhnlich überzeugende Interpretation des biblischen Textes, an der sich schon viele Kunstschaffende aller Epochen versucht haben. Gerade die Darstellung des Jesus, der den beiden Jüngern erscheint und weder als Gespenst noch verkleidet mitgeht, hole den österlichen Bericht des Lukas ins Heute und bewege auch innerlich. „Man kann es nicht fotografieren, aber es ist da“, so Zink. Stahlschmidts Zeichentechnik sorgt durch Doppelungen und Überlagerungen für Bewegung, ein Schmetterling und viele Hände verleihen der Darstellung Leichtigkeit und eine dicke Hummel ist eine Hommage an die Perfektion der Schöpfung. „Unglaublich, dass sie fliegen kann“, so die Künstlerin, die auch gern mit der Lupe auf Motivsuche in der Tierwelt geht, seien es Federn, Chitinpanzer, Fell oder eben die Flügel von Insekten.
In kurzen Beiträgen erinnerten Mitglieder der Gemeinde an die Entstehung des Projekts. Nach dem Umbau seien die Wände zunächst kahl geblieben. „Da musste Leben hinein. Farben. Bilder. Geschichten“, erinnerte Funk. Durch die Zusammenarbeit mit Architekt Harald Neu und Markus Zink entstand schließlich der Kontakt zur Künstlerin. Die Vernissage verdeutlichte die Verbindung von Kunst, Glauben und Gastfreundschaft. Die Werke sollten nicht nur betrachtet werden, sondern Begegnung ermöglichen und Menschen ins Gespräch bringen. So kam das auch im Lied „Gut, dass wir einander haben“ zum Ausdruck.
Zum Abschluss lud der Ortsausschuss zum gemeinsamen Imbiss ein. Bei geöffneten Türen, Gesprächen drinnen und draußen sowie musikalischer Begleitung klang die Vernissage in geselliger Atmosphäre aus. Die neuen Emmausbilder werden künftig Besucherinnen und Besucher des Gemeindehauses begleiten – als Einladung zum Unterwegssein, zum Innehalten und zur Begegnung. Bernd-Christoph Matern
Zu den Fotos:
Auf großes Interesse stieß die Vernissage für drei Kunstwerke, mit der Carmen Stahlschmidt in der ehemaligen Schweighäuser Kirche die Emmausgeschichte lebendig werden lässt. Die Künstlerin selbst gab im Gespräch mit Silke Funk und Markus Zink bereitwillig und mit großer Leichtigkeit Auskunft darüber, was sie während des Schaffens bewegte. Fotos: Matern
