
„Der Sonntag schützt das Menschsein“
Ulrike Scherf zur Diskussion um die Aufweichung des Sonntagsöffnungsverbots
DARMSTADT/RHEIN-LAHN. (8. Juli 2026) Die Stellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf hat davor gewarnt, den Sonntag schrittweise zu einem gewöhnlichen Werktag zu machen. Lebendige Innenstädte entstünden nicht durch offene Ladentüren kommentiert sie die derzeitige Diskussion um eine Aufweichung des Sonntagsöffnungsverbots. Deutsche Handelsverbände hatten sich für eine Lockerung der Öffnung auch ihrer Geschäfte an Sonn- und Feiertagen ausgesprochen, nachdem sich die Regierungskoalition auf längere Öffnungszeiten an diesen Tagen für Bäckereien geeinigt hatte. Scherfs Kommentar im Wortlaut:
„Ich verstehe den wirtschaftlichen Druck hinter dem Wunsch, Ladenöffnungszeiten auszudehnen. Dennoch widerspreche ich Forderungen, die auf eine Lockerung des Öffnungsverbots an Sonntagen abzielen, vehement. Der Sonntag als Feiertag ist ein gesellschaftliches Gemeingut – erstritten, bewährt und gesamtgesellschaftlich notwendig. Er gehört nicht den Märkten, er gehört den Menschen. Und er schützt das Menschsein.
Lebendige Innenstädte entstehen nicht dadurch, dass an sieben Tagen in der Woche Ladentüren offenstehen. Was eine Innenstadt lebenswert macht, ist Begegnung – zwischen Menschen, nicht zwischen Kundinnen und Regalen. Die Kirche, aber auch andere gesellschaftliche Akteure wie Vereine und Kulturträger leisten hier einen unverzichtbaren Mehrwert.
Wir warnen davor, den Sonntag schrittweise zu einem gewöhnlichen Werktag zu machen. Was als freiwillige Öffnungsmöglichkeit beginnt, endet als Wettbewerbsdruck auf alle – auf Händler*innen, auf Beschäftigte, auf die Gesellschaft insgesamt. Dabei brauchen wir den Sonntag, weil er etwas schützt, das wir im Alltag leicht verlieren: Momente der Stille, aber auch gemeinsame freie Zeit, in der Wesentliches für das Leben entsteht – nämlich Glaube, Erholung, Familie, Freundschaft, Kultur. Eine Gesellschaft, die sich keine Ruhe mehr gönnt, verliert sich selbst.“
Hier finden Sie mehr Informationen zum Sonntag als Feiertag.
Fotos: Allianz für den Sonntag/Peter Bongard
