Reichtum an Registern neuer Nassauer Orgel zum Klingen gebracht

Drei Dekanatskantoren geben Konzert an Rowan Wests Instrument in der evangelischen Johanniskirche

 

 NASSAU/RHEIN-LAHN. (2. November 2018) Mit einem facettenreichen Konzert haben die drei evangelischen Dekanatskantoren Martin Samrock, Ingo Thrun und Markus Ziegler die Klangvielfalt der neuen Orgel in der evangelischen Johanniskirche Nassau demonstriert. Das von Rowan West erbaute Königin-Instrument zog die Zuhörer in dem voll besetzten Gotteshaus vom ersten Ton an in ihren Bann.

 

Das Konzert war gleich in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Selten gab es bislang die Gelegenheit, die Kunst der drei versierten Kirchenmusiker des Dekanats Nassauer Land in einem gemeinsamen Auftritt live zu genießen, auch wenn die Drei schon einige Veranstaltungen zusammen organisierten und sogar bereits eine Orgel-CD gemeinsam eingespielt haben. Zum Anderen war es nach der Einweihungsfeier das erste große Konzert, das an der neuen Orgel gegeben wurde. Und schließlich ließ der Klang des von West im Stil des norddeutschen Orgelbarock geschaffenen Werks hörbar werden, warum und wie sehr das Instrument die Orgellandschaft in den Kirchen des Dekanats ergänzt und bereichert.

 

Eine ganz charakteristische klangliche Wärme verströmte Ingo Thrun im Kirchenschiff mit seiner Lied- und Registerauswahl, der im Kantoren-Trio den Anfang machte. Mit barocken Klassikern wie einem Präambulum von Heinrich Scheidemann und einer Canzone von Franz Tunder demonstrierte der Dekanatskantor aus Bad Ems den barocken Reiz von Klangwechseln und fröhlichen Flötenläufen mit reichlich und rasanten Trillern. Die ruhigen Töne ließ er mit der Choralbearbeitung „Komm, Heiliger Geist“ von Dietrich Buxtehude zur Geltung kommen, dem Nachfolger Tunders in Lübeck und dessen Schwiegersohn.

 

Einen großen zeitlichen Bogen spannte Martin Samrock mit seiner Auswahl. Seine prächtig pointierte Interpretation von Bachs populärer Toccata und Fuge in d-Moll war ein Meisterstück an Manual- und Registerwechseln an dem zweimanualigen Instrument, von der virtuosen Spieltechnik ganz zu schweigen. Die Pausen gewannen da ebenso viel Gewicht wie die geschwinden Läufe im Klang der Mixtur oder die Echo-Wirkung in der Fuge bis hin zum mächtigen Posaunenklang in den Pedalen. Als Reminiszenz an die Heimat von Orgelbauer Rowan West hob Samrock noch einen zeitgenössischen Orgel-Schatz mit drei Orgelstücken der Australierin Rosalie Bonighton. In deren meditativer Vertonung von Psalm 139 weckte ein angehaltener Ton Assoziationen an den Geist Gottes, der die Menschen ständig begleitet, mal störend, mal unbemerkt, mal wohltuend, wie der Kantor aus Diez zuvor erklärte.

 

Den musikalisch ebenso anspruchsvollen wie bekenntnisreichen Abend komplettierte Markus Ziegler. In den sieben Arioso-Variationen von Carl Philipp Emanuel Bach kam die barocke Lust an Verzierungen ebenso entzückend im Nassauer Kirchenschiff zum Tragen wie der klangliche Farbwechsel, den die neue Orgel zu bieten hat. Nach einem kurzen Ricercar von Jan Pieterszoon Sweelinck aus Amsterdam, einer der Väter des norddeutschen Orgelschule, krönte der Kantor aus Nastätten das Konzert mit Hugo Distlers Partita „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Mit ebenso feinsinniger wie fulminanter Registrierung setzte er einen markanten Schlusspunkt. Der prächtige volle Klang, mit dem Martin Samrock bereits in einem Präludium von Felix Mendelssohn-Bartholdy den Raum erfüllte, er bricht sich in der Toccata Distlers sowie im Finale der durch die Manuale jagenden Fuge und dem pompösen Pedalklang noch einmal kraftvoll Bahn. Lauter Beifall beendete den Abend.

Bernd-Christoph Matern

 

 

Zum Foto: Die Dekanatskantoren Martin Samrock, Ingo Thrun und Markus Ziegler entlockten der neuen Orgel von Rowan West in der evangelischen Kirche von Nassau deren grandiose Klangvielfalt. Fotos: Matern

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