Klimaschutz: Nächstenliebe an nächster Generationen üben

Umwelttag „Strüth unter Strom“ startet mit Schöpfungsgottesdienst für ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften

 STRÜTH/RHEIN-LAHN. (11. September 2019) Mit einem bestens besuchten Schöpfungsgottesdienst startete der fünfte Umwelttag in Strüth. Unter dem Motto „Strüth unter Strom“ standen Natur- und Klimaschutz sowie Informationen, Denkanstöße und eine Reihe ganz praktischer Beispiele für ein nachhaltiges Handeln und Wirtschaften im Mittelpunkt des Tages, zu dem die Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM), die Ortsgemeinde und die Energieagentur Rheinland-Pfalz eingeladen hatte.

Im Rahmen ihrer Reihe „Lichtblick-Gottesdienste“ lieferte das Team viele konkrete Fakten zum Thema. Klaus Steinbeck rief in seiner Anmoderation zu mehr Respekt in der Gesellschaft untereinander und gegenüber der Erde und Natur auf, anstatt sich über moderne Kanäle würdelos gegenseitig zu beleidigen. Er bewundere die Bundeskanzlerin, die Menschen die Hand gebe, die sie zuvor noch auf Twitter oder anderen Kanälen beleidigt habe. Respektlos sei ebenso der Umgang mit den Ressourcen, wo Wälder gerodet würden, um Produkte herzustellen, die wiederum im Abfall landen. „Wann begreifen wir endlich, dass wir Teil und nicht Herr der Natur sind?“, fragte Steinbeck.

Klaus Birker lieferte unter der Rubrik „Nachrichten“ Fakten, wie weit fortgeschritten der Klimawandel bereits ist, wie in Indonesien eine neue Hauptstadt errichtet werden soll, weil Jarkata droht, vom Meer überschwemmt zu werden, wie dass Artensterben voranschreitet und wie es Costa Rica schaffte , seinen Energiebedarf ausschließlich mit Windkraft und Geothermie zu decken. Seine Wettervorhersage endete mit dem Rat: „Auch das politische Klima erhitzt sich, deshalb sollten wir uns warm anziehen.“

Nach einer christlichen Perspektive suchte Gemeindepfarrerin Claudia Biester in ihrer Predigt. „Wie packen wir den gesellschaftlichen Wandel an?“, fragte die Theologin im voll besetzten Bürgerhaus und wies auf ein Wanderschild hin, das ihr auffiel. Darauf ist „Zuweg / Ausstieg, Teilung, 0,6 km“ zu lesen und zwei wandernde Menschen. Ein Symbol, das zum Thema passe, in kurzer Distanz und Zeit sowie gemeinsam etwas zu verändern. „Es macht Arbeit und führt in unbequeme Gefilde hinein“, sagte Biester und es sei ohne eigene Entbehrung nicht zu erreichen. Weder Moralappelle noch Panikmache gäben Antworten. Sie vermisse allerdings die starken Bilder, die auch mal für Verzicht begeistern. Motivation und Orientierung könne die christliche Nächstenliebe sein, wenn sie sich auch auf die nächsten Generationen beziehe.

Nach dem gut besuchten Gottesdienst gab es in und am Strüther Bürgerhaus eine Reihe von Denkanstößen und praktische Beispiele für einen Einstieg in den Ausstieg des die Ressourcen der Erde vernichtenden Lebens und Wirtschaftens. Dipl.-Ing. Christian Synwoldt von der Energieagentur Rheinland-Pfalz machte auf den Handel mit Grünstromzertifikaten aufmerksam, der einem Etikettenschwindel Vorschub leiste, denn das treibt so seltsame Blüten, dass selbst die Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken von dem Verkauf profitieren können. Klaus Birker und Klaus Steinbeck wiesen als EGOM-Vertreter auf die drei Säulen der Energiegenossenschaft hin: mit dem Bau von Photovoltaikanlagen, mit Car-Sharing von E-Autos und dem Verkauf von Bürgerstrom trägt sie zum Klimaschutz bei.

Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Nassauer Land, war mit dem E-Mobil zum Umwelttag gekommen und berichtete von den Erfahrungen, die das Dekanat damit macht; ein Jahr lang hat es die EGOM ans Dekanat ausgeliehen. Und auch das Dutzend Aussteller beim Umwelttag bewies Engagement in der Region. Hier konnten elektronisch betriebene Autos und Fahrräder getestet werden, dort gab es kompostierbare Becher, Teller und Besteck aus Mais-Stärke und Palmblättern zu begutachten. Die Verbraucherzentrale und die Energieagentur zeigten die breite Palette ihres Beratungsangebotes, um Energie und letzten Endes Geld zu sparen.

Dass der Umwelttag in der fünften Auflage solch großen Zuspruch findet, freute auch Ortsbürgermeister Heiko Koch, der unter den vielen Besuchern auch Landrat Frank Puchtler, Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jens Güllering und den Landtagsabgeordneten Matthias Lammert (CDU) begrüßte. Bernd-Christoph Matern

Zu den Fotos:
Oben: Thomas Schwab (links) und Klaus Birker (rechts) von den Erfahrungen, die das Dekanat Nassauer Land mit einem E-Auto derzeit macht. Foto: privat

 

Foto rechts unten (von links): Ortsbürgermeister Heiko Koch, Referent Christian Synwoldt von der Energieagentur Rheinland-Pfalz und Klaus Steinbeck von der Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM) freuten sich als Veranstalter des Tages nicht nur über diesen Strom erzeugenden jungen Mann, der dafür kräftig in die Pedale trat. In und vor dem Bürgerhaus luden ein Dutzend Aussteller zum Informieren, Diskutieren und zum Ausprobieren elektrobetriebener Fahrzeuge ein unter anderem wurde auch kompostierbares Besteck vorgestellt. Fotos: Bernd-Christoph Matern

 

 

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