Junge Gäste aus Tansania nehmen viel Wissen und Freundschaft mit in Heimat

Drei Wochen im Rhein-Lahn-Kreis: Jugendaustausch zwischen Dekanat Nassauer Land und Distrikt Mabira bereichert gegenseitig

 RHEIN-LAHN. (25. Oktober 2019) Herzliche Umarmungen, der Austausch von Gastgeschenken und viele frohe Gesichter – das prägte den Abschied zwischen jungen Menschen aus dem Rhein-Lahn-Kreis und den Gleichaltrigen aus Tansania. Drei Wochen verbrachten die afrikanischen Gäste im evangelischen Dekanat Nassauer Land, das seit fast 40 Jahren eine Partnerschaft mit dem evangelisch-lutherischen Distrikt Mabira pflegt, die seit sechs Jahren im Rahmen einer Jugend-Partnerschaft auch an die nächste Generation weitergetragen wird. Eine Woche verbrachten sie im Schlopenhof Hainau und zwei Wochen in Gastfamilien.

Der Besuch von Schulen, Wald, Firmen, Bauernhöfen, der Handwerkskammer Koblenz, von Sehenswürdigkeiten und Kultur im Kreis oder von Wartburg und Lutherhaus in Eisenach sowie eine Pflanzaktion von Bäumen sind nur einige Punkte des vielseitigen Programms, das die jungen Gäste aus Mabira erlebten, an die Berthold Krebs, Vorsitzender des Arbeitskreises Nassau-Mabira, während des Abschiedsabends in Kördorf erinnerte; festgehalten waren die Erinnerungen in tollen Aufnahmen von David Metzmacher.

Der hatte mit seinem Bruder Tobias selbst zwei Gäste in Dausenau beherbergt und gehört zu den Gründern der Jugendpartnerschaft 2013 in Mabira. „Wir sind ja etwas älter geworden, aber für mich bedeuten die Begegnungen immer wieder auch einen Blick aufs eigene Leben und Erwachsenwerden und wie viel Chancen ich in meinem jungen Leben habe“, so eine dankbare Erfahrung des 25-Jährigen. Mit dem 26-jährigen Hochschüler Moses und dem 23-jährigen Elektrolehrling Deocta waren schnell Gemeinsamkeiten zum Reden gefunden; gemeinsames Singen und Spielen wie Memory brachten außerhalb des offiziellen Programms näher.

Dem Gegenbesuch in Tansania fiebert die 20-jährige Anna Köhler aus Dornholzhausen entgegen. Sie stieß als junge Gastgeberin neu zur Jugendpartnerschaft hinzu. „Wenn sich ein Mensch über Dinge so freut, die wir für selbstverständlich erachten, wie etwa das fließende Wasser unter der Dusche, wird einem bewusst, wie gut wir es haben.“ Überhaupt empfindet sie den Kontakt zu fremden Kulturen als eine Bereicherung, wie sie es unter anderem auch schon während eines Aufenthaltes in Peru erlebt hat.

„Ihr habt uns in eure Herzen schauen lassen und davon haben wir etwas gehabt, das wir mit nach Hause nehmen“, dankte der 26-jährige Moses den jungen Gastgebern, deren Familien sowie Dekanatsjugendreferent Torsten Knüppel und dem Arbeitskreis für Vorbereitung und Organisation des Programms. „Wir haben viel über Ausbildung gesehen und gelernt und wie ihr die Schöpfung bewahrt“, nannte der junge Mann zwei Beispiele. Mabiras Distriktpfarrer Jerryson Mambo, der die Gruppe begleitete, schloss in den Dank („ich kann nur staunen, was wir alles erlebt und an unserer Kirche entdeckt haben“) auch die laufenden Projekte des Arbeitskreises ein; „wer sind wir, dass wir das verdient haben?“

Dankbar, dass die Jugendbegegnung keine Einbahnstraße ist, sondern bedeutet, voneinander zu lernen, zeigte sich Berthold Krebs. Dazu zählte er Freundlichkeit und Herzlichkeit. „Was das in eurer Kultur bedeutet, habt ihr uns auch hier toll vermittelt.“ Für Torsten Knüppel ein Schlüsselerlebnis: Als der Bruder einer Gastgeberin in Niederneisen, der mit der Partnerschaft eigentlich gar nichts zu tun hatte, dem Besuch aus Mabira zeigte, wie Whatsapp funktioniert. Solch kleine Völker verbindende Szenen seien bereichernd und machten Partnerschaft lebendig.

An die verbindende biblische Botschaft von Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Nächstenliebe erinnerte der stellvertretende Dekan des Dekanats Nassauer Land, Pfarrer Christian Dolke. „Dieses geistliche Band wird uns bleiben, egal wo wir sind und wann wir uns wiedersehen.“ Angesichts weltweiter Konflikte und Herausforderungen sei es gut, wenn Menschen persönlich zusammenkommen, sagte Landrat Frank Puchtler und betonte bei allen unterschiedlichen Perspektiven: „Wir leben auf einem Erdball und schauen in eine Sonne“. Bernd-Christoph Matern

 

Zu den Fotos:
Abschiedslied: Nach drei Wochen im Dekanat Nassauer Land haben die jungen Gäste aus Tansania nicht nur viel über Bildung, Arbeitswelt und Waldbau erfahren, sondern auch neue Freunde kennen gelernt. Fotos: B.-Chr. Matern/David Metzmacher

Betriebsbesuche wie in der Firma Schaefer-Kalk in Hahnstätten gehörten ebenso zum Programm wie ein Waldtag, um mit Waldpädagoge Willi Bausch-Weis im Lahnsteiner Forst Kastanien anzupflanzen.

Praxistag im Nasssauer Land für junge Gäste aus Mabira

Partnerschaftsprojekt MAVEC und Betriebe ermöglichen neue Erfahrungen

 RHEIN-LAHN. (25. Oktober 2019) Für drei junge Leute aus Mabira stand die berufliche Ausbildung im besonderen Focus ihres Besuchs im Rhein-Lahn-Kreis. Zwei von ihnen nehmen in ihrer Heimat am Projekt MAVEC teil, mit dem der Arbeitskreis das handwerkliche Know-how unterstützen möchte, damit sich junge Männer und Frauen eine berufliche Perspektive in der Heimat aufbauen können. Die fünf Buchstaben stehen für Mabira Vocational Education Cooperation, eine Kooperation für berufliche Bildung in Mabira.

„Allein das Werkzeug, mit dem hier gearbeitet wird, ist beeindruckend“, sagt die 23-jährige Rosinatha, die in den Noll-Werkstätten in Fachbach einen ganzen Tag Eindrücke sammelt. MAVEC ermöglicht der jungen Handwerkerin aus Nyambilembe derzeit eine Gründung zur Selbstständigkeit als Zimmerfrau. Was sie dort in mühevoller Handarbeit mit einer großen Handsäge schneidet, übernimmt in Fachbach schon längst eine moderne Schneidemaschine. Und noch eine Erfahrung nimmt sie mit in die Heimat: „Die Disziplin, mit der hier gearbeitet wird“.

Im Nassauer Leifheit-Campus hilft Deocta dem Obermonteur der Firma Pfaff & Haas Tim Pfeiffer beim Einbau von Lampen und dem Verlegen von Netzwerkkabeln für den WLan-Anschluss. Vom Prinzip her kennt der MAVEC-Azubi die richtigen Handgriffe. „Aber das ist natürlich eine viel modernere Installationstechnik als bei uns in Tansania“, freut er sich in Englisch über die Erfahrung, die er in die Heimat mitnimmt.

Der Dritte im Bunde des Praxistages ist Justine (22), der in Mabira Laborant geworden ist und nun als Aushilfslehrer arbeitet. Die Firma chg-Gross in Nassau, seit Jahren Unterstützer der Partnerschaft, gewährt ihm Einblicke in den deutschen Werkzeugbau. „Wenn wir als aufstrebendes Familienunternehmen jungen Menschen aus ländlichen Regionen in anderen Teilen der Welt einen Einblick in die deutsche Berufswelt ermöglichen können, damit diese eine berufliche Perspektive in ihrer Heimat entwickeln können, tun wir das sehr gern“, begründet Geschäftsführerin Isabelle Groß, warum der Gast willkommen ist. Justine selbst ist von den großen Werkzeugen angetan und meint: „Das wäre auch ein interessanter Beruf.“

Auch der Besuch der Adolf-Reichwein-Berufsschule und in der Handwerkskammer Koblenz erweitert den Horizont der wissbegierigen Gäste aus Mabira. Dass das Mavec-Projekt dort bereits Früchte trägt, davon berichtet dessen Initiator Dietmar Menze während des Abschlussabends in Kördorf. Ein von Claudia Wirsch gestaltetes und von der Firma Heymann gefertigtes Schild gab er der Reisegruppe mit auf den Heimweg. Es soll ein gemeinsam von der Karagwe-Diözese und dem Arbeitskreis gebautes Haus in Mabira zieren, in dem die jungen Leute leben und arbeiten können. Bernd-Christoph Matern

Zu den Fotos:
Ein Schild überreichte Dietmar Menze (rechts oben) an die MAVEC-Auszubildende Rosinatha und Pfarrer Mambo, das das vom Arbeitskreis mit erbaute Ausbildungshaus in Mabira zieren soll. Fotos: Matern/Metzmacher

Steffen Linscheid (Foto links unten), Ausbildungsbeauftragter bei chg in Nassau, zeigt dem Gast aus Mabira, wie Werkzeuge den richtigen Feinschliff erhalten, während der Elektriker Deocta unter fachkundiger Anleitung von Tim Pfeiffer im Leifheit-Campus Kabel verlegt.

Mehr Berichte über die diesjährige Jugendbegegnung zum Empfang finden Sie hier
sowie zu einem Abend der Begegnung und dem Besuch des Michelsmarktes finden Sie hier.

 

 

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